Öffentlicher Raum für alle?

19.08.2020

Gerade jetzt, zu Zeiten der Corona-Pandemie, wird einem bewusst, wie wichtig Freiräume sind. Auch wenn die eigenen vier Wände schön sind, schätzen wir Menschen es uns draussen im öffentlichen Raum zu bewegen. Und besonders zu der warmen Jahreszeit bietet der öffentliche Raum Platz für viele Beschäftigungen: Spazieren oder Velofahren, Spielen und Plaudern auf Spielplätzen, Flanieren und Sonnen im Park oder einfach nur auf einer Bank sitzen und die Gegend beobachten. Es gibt viele Möglichkeiten für alle Altersgruppen. Doch stimmt das wirklich?

Plakat beim Schulhaus Wilmatt.

Umfrage gestartet
Im Sommer 2019 startete die offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) Therwil eine Umfrage im Rahmen der Aufsuchenden Jugendarbeit um herausfinden, wie zufrieden die Bevölkerung − insbesondere Kinder und Jugendliche − mit dem öffentlichen Raum sind. Vorbereitend wurden in Kooperation mit dem Werkhof Therwil und der Gemeindepolizei Therwil verschiedene Plätze eruiert, an welchen sich insbesondere Jugendliche aufhalten. Dabei wurde deutlich: In Therwil sind Kinder und Jugendlichen vor allem in den Gebieten „Wilacker“, „Ringstrasse“, „Bahnhofschulhaus“ und „Känelboden“ anzutreffen.

Die OKJA fokussierte sich jeweils während einer Woche auf ein Gebiet. Befragt wurde zum einen durch die Mitarbeitenden der OKJA Therwil mithilfe von Fragebogen und zum anderen mit Plakaten. Die Plakate wurden an acht Standorten in Therwil aufgestellt. Das Plakat lud mit der Frage „Was muss ein Ort haben, damit du dich da gerne aufhältst?“ dazu ein, sich mitzuteilen. Dabei konnten sich die Passanten in die Kategorien Kind, Jugendliche/r, Erwachsene/r und Senior/in eintragen.

Nähe zur Natur
Auffallend bei der Auswertung ist, dass die meisten Rückmeldungen von Kindern und Jugendlichen kamen. Erwachsene haben teilweise und Senioren fast nie an der Plakatumfrage teilgenommen. Kinder und Jugendliche schätzen die Nähe zur Natur und die Vielzahl der Plätze in Therwil.

Was von den Befragten öfters erwähnt wurde und auch den Mitarbeitenden der OKJA auffiel: Auf nahezu jedem Platz werden die Besucherinnen und Besucher von einer Tafel empfangen. Die erlaubten Aufenthaltszeiten und andere Einschränkungen sind darauf ersichtlich. Das Aussprechen von Verboten und Platzverweisen ab bestimmten Uhrzeiten sind auf verschiedene negative Erfahrungen zurückzuführen. Diese Massnahmen erfüllen zwar den Zweck für den betreffenden Platz, für den gesamten öffentlichen Raum in Therwil ist es aber lediglich eine Problemverschiebung und keine langfristige Lösung.

Konkrete Vorschläge
Kinder und Jugendliche suchen Plätze an denen sie sich austoben und auch abends oder nachts sein können. Laut Befragung ist dies in Therwil trotz der Vielzahl an Plätzen sehr schwer zu finden und frustriert viele. Die Schilder können den Eindruck vermitteln, dass die Nutzerinnen und Nutzer unerwünscht sind. Der schroffe Empfang und die teilweise unpassende Ausstattung der Plätze, können dazu beitragen, dass Müll, Unruhe und Vandalismus entsteht.

Sowieso das Thema „Abfall“ wurde oftmals auf den Plakaten, in den Fragebogen aber auch in persönlichen Gesprächen thematisiert. Littering ist ein Thema, was auch von Kindern und Jugendlichen wahrgenommen wird. In der Befragung stellte sich heraus, dass diverse Abfalleimer zu klein sind oder zu weit entfernt stehen. Zudem ist eine korrekte Mülltrennung direkt vor Ort nicht möglich, was die jungen Befragten schade finden. Die Umfrage zeigt demnach, dass die jungen Menschen das Thema Abfall ernst nehmen und konkrete Verbesserungsvorschläge anmerken. Auch ihnen ist es wichtig, dass die Plätze in Therwil sauber sind, da auch sie nicht gerne verdreckte Plätze vorfinden.

Der perfekte Platz
Aus dem Zusammenzug aller Plakat-Ergebnisse wird deutlich, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein dringendes Bedürfnis nach Rückzugsorten und Privatsphäre haben. Auch in den Fragebogen wünschen sich fünfzehn Personen aus den insgesamt 34 Befragten passendere Orte für Jugendliche. Hier zeichnet sich ein Bedarf nach Plätzen ab, die für Jugendliche und bestenfalls mit Jugendlichen gestaltet werden.

Resultierend aus der Befragung wird ein Prototyp „perfekter Jugendplatz“ sichtbar: Der Platz hat gemütliche Sitzgelegenheiten, Tische und genügend grosse Entsorgungsmöglichkeiten. Es besteht eine Überdachung, die vor Witterung schützt. Musik, Gespräche und Gelächter sind auch zu späten Abendstunden erlaubt und der Platz befindet sich an einem naturverbundenen Ort.

Natürlich: Nicht alle Plätze können diesen Anforderungen gerecht werden, dies ist auch den Jugendlichen klar. Es können aber Plätze entstehen, die je nach Machbarkeit den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzern angepasst werden. Deshalb ist es wichtig, dass alle Beteiligten (Vertreterinnen und Vertreter aller Nutzerinnen und Nutzer, Anwohnerinnen und Anwohner, Werkhof und Polizei) mit einander in Kontakt treten und eine gemeinsame Lösung für bestehende Plätze finden und/oder neue gestalten.

Gesteigerte Identifikation
Auch das UNICEF-Label „Kinderfreundliche Gemeinde“ sieht vor, dass Kinder und Jugendliche in die Gestaltung des öffentlichen Raums miteinbezogen werden. Daraus sollen kinder- und jugendfreundliche Begegnungszonen, Spielplätze und Schulanlagen resultieren. Werden Kinder, Jugendliche und andere Nutzerinnen und Nutzer in den Prozess der Gestaltung des öffentlichen Raumes miteinbezogen, steigert dies die Identifikation und somit den Respekt und die Sorgfalt gegenüber öffentlichen Plätzen.

Anstelle von Verbotstafeln können gemeinsame Regeln aufgestellt werden, die zu einem „friedlichen Miteinander“ führen sollen. Die vorliegenden Resultate der Befragung können als Grundlage für die Umgestaltung und Neuerschaffung von Kinder- und Jugendplätzen dienen. Um solche Prozesse in die Wege zu leiten, braucht es nebst der Offenheit der Gemeinde Therwil engagierte Einwohnende, die sich für ihren öffentlichen Raum einsetzen.

Mitwirkende gesucht
Eine Möglichkeit bei der Gestaltung des Dorflebens mitzuwirken, bietet der diesjährige Mitwirkungstag, welcher durch die Kinder- und Jugendförderung der Gemeinde Therwil und der OKJA lanciert wird. Dabei können verschiedene Ideen von und für Kinder und Jugendliche diskutiert und umgesetzt werden.

Wichtig beim Mitwirkungsprozess ist es, dass von Beginn an Jung und Alt zusammenarbeiten und so die Projekte zu einem positiven Ende führen. Wenn es also konkrete Plätze in Therwil gibt, die eine Umgestaltung nötig haben, es grundsätzlich einen neuen Platz braucht oder eine ganz andere Idee in der Luft liegt, besteht am 7. November 2020 die Möglichkeit mitzuwirken. Weitere Infos dazu sind auf folgender Website zu finden: www.jugendarbeit-therwil.ch.

Abgesehen vom Mitwirkungstag sind Prozesse, bei welchen die Bevölkerung miteinbezogen wird, vor allem in der Gestaltung vom öffentlichen Raum generell zu empfehlen, da nur so auf die Bedürfnisse von allen Nutzerinnen und Nutzern eingegangen werden kann.

Mirko Müller für OKJA Therwil

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