Die lange Reise der Zimmerpflanze

16.03.2021

Exotik im Wohnzimmer

Ob Palmen, Orchideen oder exotische Farne, Zimmerpflanzen boomen. Sie sorgen für frische Luft in der Stube und machen sich auch noch gut auf Instagram. Aber wie schneiden die grünen Hingucker im Bereich Nachhaltigkeit ab? Ein Blick auf die Herkunft lohnt sich.

In unseren Gärten wachsen zunehmend einheimische Pflanzen und fördern die lokale Artenvielfalt. Anders sieht es in den meisten Stuben aus. Hier dominieren exotische Topfpflanzen. Gummibaum, Monstera, Chinesischer Geldbaum und Orchideen fördern im Winter unser Wohlbefinden, denn sie sorgen für frische Luft, und Studien legen nahe, dass ihr Anblick den Stressabbau fördert. Dabei kann es gut sein, dass es Ihren Pflanzen selbst nicht so gut geht. Vor allem, wenn sie noch nicht lange dort stehen. Denn ihr kurzes Leben ist womöglich bereits mit Doping belastet. Der Handel mit Topfpflanzen ist unübersichtlich. Viele Zimmerpflanzen hierzulande stammen aus der EU, vor allem aus den Niederlanden. Dabei bezieht sich die deklarierte Herkunft in erster Linie auf das Land, in dem die Pflanze zuletzt gewachsen oder umgeschlagen worden ist. Ob sie davor in einem tropischen Land kultiviert und als Jungpflanze schon um die halbe Welt transportiert wurde, wird nicht ausgewiesen. Gut möglich also, dass zwar Holland draufsteht, aber Kenia drinsteckt. In Ländern Afrikas und Südamerikas werden die Jungpflanzen in der Regel massiv mit Chemikalien und Dünger auf Leistung getrimmt. Wenn Orchideen und Co. dann aufgeputscht und günstig im Supermarkt locken, stehen sie oft schon kurz vor dem Burnout. Topfpflanzen sollten aber keine Wegwerfprodukte sein! Und zum Glück gibt es Alternativen. Wer bei regionalen Gärtnereien vorbeischaut, er-fährt im Gespräch, woher die grüne Pracht im Topf stammt – und ob allenfalls Treibhäuser mit im Spiel waren. Gewächshäuser stossen eine Menge CO2 aus, wenn sie mit Öl oder Gas beheizt werden. Das wäre dann wiederum schlecht fürs Klima. Stimmt aber alles, dann garantiert der höhere Preis auch bessere Qualität – und glücklichere Pflanzen. Das stärkt dann wiederum das eigene Wohlbefinden.

Übrigens: Die meisten Zimmerpflanzen lassen sich gut selbst vermehren. Stecklinge oder Ableger eignen sich gut zum Tauschen mit anderen Liebhabern von Palmen und Co. So bekommt man unter Umständen ganz viel Exotik aus der Region.

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